Unter dem Titel GEGENPOLE präsentiert das MMKA diesen Sommer ein Triptychon polnischer Kunst und polnischen Designs der jüngsten bewegten Vergangenheit vor dem Hintergrund polnischer Aktualität. Polen kommt im Zusammenhang der Neudefinierung Europas eine Schlüsselrolle zu. Eine neue, international orientierte Generation von Künstlern rüttelt momentan die Kunstwelt wach. Einerseits greift die junge Garde zurück auf die polnische Avantgarde zwischen 1960-1980, andererseits sucht man nach einer neuen, eigenen Identität. In drei Ausstellungen, die nahezu gleichzeitig stattfinden, wird der seinerzeit durch den Staat auferlegte Sozialrealismus in der polnischen Malerei von 1945 bis 1955 beleuchtet, ebenso wie das im Westen unbekannte polnische Design der Jahre 1955 bis 1968. Die Aktualität wird durch das konfrontierende Werk der zeitgenössischen Künstlerin Katarzyna Korzyra verkörpert.
Vorwärts! Polnischer Sozialrealismus 1945-1955
27. Mai – 3. Sept. 2012
Die kommunistischen Machthaber der Nachkriegszeit in Polen standen den avantgardistischen Strömungen des 20sten Jahrhunderts wie Kubismus, Surrealismus oder der Abstraktion abweisend gegenüber. Seit 1949 musste jedes Kunstwerk “national sein in der Form und sozial im Inhalt“. Polnische Künstler waren verpflichtet sich in realistischem Stil auszudrücken und ideologisch korrekte Themen darzustellen, wie Arbeiter und Bauern bei der Arbeit, den Wiederaufbau des Landes, Porträts Joseph Stalins oder Stillleben. Die wichtigsten Gemälde aus der Kollektion der sozialrealistischen Malerei sind dem MMKA vom Nationalen Museum in Warschau als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Ergänzt durch einige unverzichtbare Stücke polnischer Museen, gibt diese Ausstellung ein noch nie zuvor im Ausland zu sehendes Bild der durch den Staat aufgelegten ästhetischen Norm der Periode von 1945-55.
Vorwärts! zeigt unter anderem Gemälde von: Xawery Dunikowski, Eugeniusz Eibisch, Wojciech Fangor, Stanislaw Horno-Poplawski, Tadeusz Kantor, Aleksander Kobzdej, Helena Krajewska, Juliusz Krajewski, Alfred Lenica, Bronislaw Wojciech Linke, Zygmunt Radnicki, Kazimierz Sramkiewicz, Henryk Stazewski, Wladyslaw Strzeminski, Juliusz Studnicki, Wojciech Stanislaw Weiss, Romuald Kamil Witkowski, Marek Wlodarski, Józefa Wnukowa, Jan Wodynski.
We want to be modern (Wir wollen modern sein). Polnisches Design 1955-1968
27. Mai – 3. Sept. 2012
We want to be modern (Wir wollen modern sein) ist die erste Ausstellung polnischen Designs der 50er und 60er Jahre in den Niederlanden. Für die westliche Welt ist diese eine unbekannte Periode der polnischen (Design) Geschichte. Gezeigt werden mehr als 200 Objekte, worunter Möbel, Keramik, Glas und Textil. Die Ausstellung veranschaulicht den Wert alltäglicher Gegenstände und inwiefern diese Ausdruck der polnischen Identität waren. Es handelt sich um eine reiche Periode der polnischen Formgebung mit Farben, Formen und Materialien, die beeinflusst wurden durch die abstrakte Kunst, organische Formen und westliche Künstler wie Alvar Aalto und Charles und Ray Eames. Die gezeigten Objekte stammen aus der Sammlung des Nationalen Museums in Warschau. We want to be modern zeigt unter anderem Objekte von: Roman Modzelewski, Teresa Kruszewska, Maria Chomentowska, Jan Kurzątkowski, Czesław Knothe.
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Das MMKA ist das Museum für Realismus in den Niederlanden.
Transgression. Katarzyna Kozyra. Zeitgenössische polnische Kunst
3. Juni – 16 Sept. 2012
Die multimedialen Installationen, Videos und Performances von Katarzyna Kozyra (geb. in Warschau 1963) erzeugen in Polen regelmäßig heftige Reaktionen. Die Zurschaustellung aufgedunsener Tiere in der Pyramid of Animals (Pyramide von Tieren) (1993), und das Filmen ihres Todes, hatten eine nationale Entrüstung zur Folge. Körperlicher Verfall, unsere Besorgtheit im Bezug auf Äußerlichkeit, Fraulichkeit und Männlichkeit formen wichtige Themen im kontroversen Werk dieser polnischen Künstlerin. Mit einer verborgenen Kamera filmte sie im öffentlichen Badehaus ohne Ausschmückung Frauen aller Altersklassen. Ebenso erfasste sie als Junge mit Schnurrbart vermummt ohne Rücksicht auf Anstand badende Männer in Men’s Bathhouse (Badehaus der Männer) (1999); die Installation erhielt während der Biennale in Venedig eine ehrenvolle Ernennung. Die Faszination für Waffen von Schützenvereinen, deren Mitglieder zuweilen die Grenze zwischen Spiel und Gewalt überschreiten, untersucht sie in der Videoinstallation Punishment and Crime (Strafe und Verbrechen) (2002). In der Video- und Fotoserie Lou Salome (2005) schlüpft Kozyra in die Rolle der Deutsch-Russischen Psychoanalytikerin Lou von Salomé. Als diese lässt sie sich als Domina durch ihre Geistesverwandten Nietzsche und Rilke ziehen, die wie zwei Hunde angeleint sind. Kozyra gehört zur Generation kritischer Künstler, die durch ihr Werk manch Tabu, sei es der Kunstwelt, bricht, wie ihr Projekt Midgets (Zwerge) zeigt. Mit ihrer Midget Gallery und einem Bataillon in Lederhosen gekleideter Liliputaner “störte“ sie 2008 die Biennale in Berlin, um stillzustehen bei der Vermischung öffentlicher und privater Belange und der Kommerzialisierung der Kunstwelt. In ihrem jüngsten Projekt Casting stimuliert Kozyra andere Momente ihrer Lebensgeschichte zu reinszenieren und aufs Neue zu erleben. Hierdurch will Kozyra aufzeigen, wie Medien eingesetzt werden können, um eine andere Identität und eine andere Persönlichkeit zu erschaffen.
Katarzyna Kozyra wohnt in Warschau und Berlin. Sie studierte an der Warsaw Academy of Fine Arts Department of Sculpture.
Die Künstlerin wird am Sonntag, den 3. Juni anwesend sein für ein Künstlergespräch.